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Die Orgel

Autor: Karl-Heinz Göttert
ISBN: 978-3-7618-2411-5
Verlag: Bärenreiter
 
Die Kulturgeschichte eines monumentalen Instrumentes - so heißt der Untertitel dieses inhaltreichen Buches – zu schreiben, ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Karl-Heinz Göttert, früher Professor für Ältere deutsche Sprache und Literatur in Köln, hat sich dieser Aufgabe mit großem Engagement und Fleiß angenommen. Er hat vor allem im 1. Kapitel Vorgeschichte viele Details zusammengestellt, die auch in Orgelgeschichte Gebildete nicht so ohne weiteres parat haben. Im Weiteren beschäftigt sich Göttert mit den Kapiteln Orgelbau, Orgelbauer, Organisten und Orgelmusik, in dem er aber nur von Medienpräsenz, Filmen und Romanen berichtet. Der Band schließt mit einem Literaturverzeichnis und dem Namens- sowie Ortsverzeichnis.

Der letzte Abschnitt zur Medienpräsenz bildet im Orgelalltag zwar eine völlige Redundanz, liest sich aber stellenweise auch ganz vergnüglich. Wie der ganze Band offenbar vergnüglich zu lesen sein soll, Göttert verleitet dieser Stil aber leider auch zu etlichen Fehlgriffen. Die Formulierung „Auch in Spanien bleibt das Pedal unterentwickelt“ zeigt die doch heute eigentlich überwundene Sprache einer deutschen Hybris. Ähnliches passiert ihm bei der Beschreibung der englischen Orgel: „die nicht einmal ein Pedal hatte.“ Von Respektierung, bzw. Wertschätzung spanischer und englischer Orgeleigenheiten und ihrer Literatur ist da keine Spur.

Dazu gesellen sich leider auch noch etliche Fehlinformationen wie „niemand hat die Orgelmusik auf das Orchester übertragen“, dem ist mit dem Hinweis auf  die Arbeiten Leopold Stokowskis schnell zu widersprechen. Abstrakten bezeichnet er mit der Vokabel „Drähte“, obwohl die dazugehörige Abbildung einwandfrei Holzabstrakten zeigt. Seine Beschreibung der frühen spanischen Schwellwerke mit schwellbaren Türen ist ebenfalls falsch, hier handelte es sich um eine Art Pultdeckel. Und so geht es munter weiter, die Sesquialtera wird als kleine Mixtur bezeichnet, Schnitger baute die Vox humana und Streicher, an Silbermanns Domorgel in Freiberg lässt sich keine Werkanordnung absehen, bei den Musikautomatenherstellern kennt er nicht den Namen Hans Leo Hassler, und 1905ff schließlich wurde Reger in München von Rheinberger bedrängt, der allerdings war schon 1901 gestorben, usw. usw.
Die Fehlformulierungen, u.a. „brutal schwer“ für die Bachschen Triosonaten und „recyceln“ statt translocieren, wirken nicht komisch, wie es vielleicht beabsichtigt war, sondern banal daneben. So begegnet man dem Band mit zunehmender Reserve, es schleicht sich die Konsequenz an, auch die angegebenen Daten auf ihre Richtigkeit überprüfen zu sollen. So kann der Band nicht als ernsthafte Lektüre empfohlen werden.


Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Dezember 2017 / Juni 2018


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