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Johann Gottfried Walther

Interpret: Ab Weegenaar
Instrument: Orgeln der Bovenkerk Kampen
Label: LG Organ Classics

Wer Walther kennt als einen potenten Komponisten von Choralbearbeitungen und Partiten, erkennt ihn als hervorragenden Nachfahren Pachelbels.

Wer Walther kennt als geschickten Transscripteur schöner Konzerte italienischer Herkunft, hat großes barockes Vergnügen verschiedenster Art.

Wer Walther kennt als Komponisten einfallsreicher Praeludien, Toccaten und Fugen, bildet allerdings noch eine Ausnahme.

Ab Weegenaar bringt alle Facetten des Weimarer Meisters in seinem CD-Portrait zusammen, er greift dabei auf seine drei Orgeln in der Bovenkerk Kampen zurück, eine schöner als die andere, am schönsten die gewaltige Hinsz/Freitag/F.C.Schnitger-Orgel (1743/1790, III/56, rest. 1975 von Backer & Timmenga), in der schon Stimmen einer Vorgänger-Orgel von Jan van Covelenz (1524) und u.a. eines Jan Slegel (1679) stehen. Sehr viel erdverbundener klingt da die Reil-Orgel im Chorraum (1999, II/29), ein edles Werk mit einem etwas verhangenen Klang, schlicht und im Bass etwas unklar zeichnend das Steendam Positiv (2012, I/Holpijp).

Mit großer Lust greift Weegenaar die Möglichkeiten zum freien Spiel im Concerto LV 136 (Telemann oder Vivaldi?), Preludio con Fuga LV 123 und Toccata con Fuga LV 122 auf, greift dabei auch zu ungewöhnlichen, wenn auch nicht ausgefallenen Registrierungen, artikuliert sauber und nicht übertrieben, aber immer gut für Überraschendes, so dass es eine große Freude ist, da zuzuhören. Selbst für Walthers Dauerbrenner, der Partita über „Jesu, meine Freude“ findet er packende Klänge, die das Werk aus dem Dunstkreis nebensächlichen Barocksounds herausheben. Eher rückhaltlos genießt man die Partita „Meinen Jesum lass ich nicht“ und das Concerto LV 133 (Meck oder Vivaldi?). Dass die Vorlagen der Concert-Transkriptionen ungeklärt sind, gibt Walther und der CD zudem die Aura des Geheimnisvollen, wie schön, dass es das noch immer gibt.
Und wie schön, dass es Kampen, seine Kirche und Orgeln, seinen Organisten und diese CD gibt.

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Februar 2017 / August 2017


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