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Samuel de Lange jr - Sämtliche Orgelwerke

Interpret: Gerben Budding
Instrument: Bätz-Witte-Orgel Gorinchem
Label: Colofon LG Organ Classics

Da kann man nur staunen, das Gesamtwerk eines hierzulande leider ziemlich unbekannt gebliebenen Romantikers auf neun (!) CDs einzuspielen, und das an 2 x 4 Tagen im Mai und Juni 2015! Doch die Voraussetzungen hierzu haben gestimmt: ein hervorragender Komponist, eine gute interessante Orgel und ein phänomenaler Organist.

Samuel de Lange (1840 – 1911), Tastenvirtuose, Dirigent und Lehrer für Klavier, Orgel, Theorie und Komposition, war nach einem wechselvollen Leben von 1900 bis 1908 schließlich Leiter des Stuttgarter Konservatoriums in der Nachfolge von Immanuel Faißt. Sein umfangreiches kompositorisches Oeuvre für die Orgel ist so vielfältig wie qualitätsvoll. Befreundet mit Brahms, war der ehrgeizige Niederländer der neudeutschen Schule eher abgeneigt, sein Sinn richtete sich hörbar nach Mendelssohn, Merkel und Schumann aus, und natürlich nach Bach, von dem er wahrscheinlich auch seine Freude an langen und kompliziert zu spielenden Pedalsoli hatte (s. seine Tägliche Übungen im Pedalspiel op. 78 und die Pedal-Studien von 1885). Das alles ist z.B. ganz positiv in seinen 24 Praeludien op. 60 zu hören, aber auch den großen Formen (darunter 8 Sonaten, ungezählte Praeludien und Fugen, Fantasien, Konzertstück, Canonische Variationen etc.) ist er in hohem Maße gerecht geworden, das ist immer gut gemacht, spannend und interessant zu hören.

Genuss hat man auch an der Orgel (1853, III/ heute 44) der Grote Kerk in Gorinchem, die im HW und OW noch viele Register der Orgel enthält, die Heinrich Hartmann Bätz 1761 für den Vorgängerkirchenbau gebaut hatte, damals bereits übernahm Bätz auch noch etliche Pfeifen aus Stephanus Cousijns Werk von 1666. Die Orgel, die der deutsch-niederländische Orgelbauer Christian Gottlieb Friedrich Witte (1802 – 1873, seit 1849 Alleininhaber die Firma J. Bätz & Co.) 1853 in der neuen Kirche mit einem Rückpositiv in einem beeindruckenden Gehäuse im Rundbogenstil mit starkem Obergesims errichtete, hat nach mehreren Umbauten 2012 ihre letzte Rückführung erhalten durch die Firma Pels & Van Leeuwen, die schon 2007 das Oberwerk in einen Schwellkasten gesetzt hatte.

Der junge Hausorganist Gerben Budding erfreut sich und den Hörer mit den Klängen dieses Instrumentes, gibt den Werken de Langes Kontur und Prägnanz, gefällt mit seinem zupackenden wie spielerischem Elan außerordentlich gut.

Das Booklet (niederländisch mit deutscher Kurzfassung) bringt ausführliche Informationen zur Vita de Langes und zur Orgel, weniger zu den Kompositionen und zum Organisten. Ob die Suche nach „sämtlichen“ Orgelwerken dabei ganz gelungen ist, bezweifelt der Rezensent, zumindest fehlen noch Praeludium und Fuge op. 9, Paraphrasen über eine Choralmelodie op 42 (1885) und diverse kleinere Werke in Sammelausgaben des 19. Jahrhunderts. Und wahrscheinlich hat der fleißige wie fruchtbare Samuel de Lange auch noch viel mehr komponiert, was, da nur handschriftlich, dann verloren gegangen ist.

Aber das ist ganz unerheblich bei der Fülle der hier eingespielten Stücke! Denn die neun CDs portraitieren bereits reichlich Samuel de Langes Leben für die Orgel, höchst anregend für alle, nicht nur für die, die Orgelromantik schätzen und lieben!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
Januar 2017 / August 2017


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