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1753
Oeures du Livre d’Orgue de Montréal

Interpreten: Yves-G. Préfontaine
Instrument: Juget-Sinclair-Orgel Chapelle du Musee de l'Amerique francophone in Quebec
Label: ATMA Classique


Das 1978 wieder entdeckte Livre d’Orgue de Montréal beinhaltet auf 540 Seiten 398 Stücke aus der Zeit von König Louis XIV. Der Organist Jean Girard aus Bourges hatte es bei seiner Auswanderung 1724 mitgebracht, es handelt sich um die größte existierende Sammlung von Stücken aus dem 17. Jahrhundert. Es enthält sechs Messen, elf Magnificat-Zyklen, zwölf Suiten und unzählige einzeln stehende Stücke. Unter den Kompositionen finden sich einige Werke von Nicolas Lebègue, die anderen sind anonym geblieben. Jean Girard wurde Organist in der kleinen Kirche Unserer Lieben Frau von Montréal.

Für das Musèe de l’Amérique francophone Québec erhielt die Orgelbaufirma Juget-Sinclair den Auftrag, das Instrument, das Robert Richard 1753 mit neun Stimmen für die Kathedrale von Québec erbaut hatte, zu rekonstruieren. Der damalige Kaufvertrag und einige Manuskripte haben sich erhalten, sie dienten als Grundlage für die 2009 erfolgte Rekonstruktion, bei ein Montre 4‘ hinzugefügt wurde. Die Stimmtonhöhe liegt bei 392 Hz, dem tiefen französischen Kammerton, die Temperatur ist mitteltönig, der Winddruck ist nirgendwo angegeben.

Für dieses einmanualige Instrument mit Schleifenteilung bei c‘/cs‘ (mit Ausnahme der beiden Mixturen) suchte der kanadische Organist, Maître de chapelle im Grand Seminaire de Montreal, Yves-G. Préfontaine nun ein Programm basierend auf dem Orgelbuch von Montréal, das aber leider nur mit einem Magnificat vertreten ist. Das Programm ergänzte er mit Werken von Nicolas Lebègue, Guillaume Gabriel Nivers, Louis Marchand und Jean Henry d’Anglebert. Überraschend, was auf dieser kleinen Orgel alles darstellbar ist und aus der kleinen Orgel ein voll überzeugendes Instrument der großen französischen Klassik werden lässt. Bezugnehmend auf eine Beschreibung von 1753 „macht die Trompete so viel Lärm als der Rest der Orgel“. Klingt aber gut, wenn auch ein Dialog da nicht gleichgewichtig werden kann. Voll überzeugen auch die anderen Register der Orgel und geben die typischen Mischklänge der klassischen französischen Orgel her. Der direkten Aufnahme zuzuhören, ist ein Genuss! Das Booklet (frz./engl.) bringt knappe, aber ausreichende Informationen, ist aber leider überhaupt nicht bebildert.

So gewinnend Yves-G. Préfontaine auch spielt, bleibt die Orgel und diese Einspielung dennoch ein Kuriosum. Um das ernsthaft zu demonstrieren, ist der Interpret an einem viermanualigen Spieltisch abgebildet. Übrigens: die Neuausgabe von 1988 (Hg Kenneth Gilbert und Gallat-Morin) ist für 65 Dollar zu haben, macht ca. 1,45 EUR pro Stück!

Rainer Goede - für www.orgel-information.de
November 2016 / April 2017


Diese CD ist im gut sortierten Buch-/Musikhandel erhältlich
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