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Baugeschichte der Orgel

Am 10. Januar 1715 wurde der Kontrakt mit Gottfried Silbermann über den Bau einer einmanualigen Orgel mit 12 Manual- und 2 Pedalregistern geschlossen. Der Orgelbau kam auf Empfehlung des Freiberger Bürgermeisters und Kirchenkollators Martin Albert zustande, der auch die Bausumme von 525 Talern auslegte.

Entgegen der im Kontrakt festgelegten Bauzeit von 1 1/4 Jahr verzögerte sich die Fertigstellung der Orgel um ca. 7 Monate. So fand die Orgelweihe, zu der der Ortspfarrer Gottfried Dedekind ein Preisgedicht verfasste, erst am 22. November 1716 statt. Das Instrument wurde vom Domorganisten Elias Lindner, Freiberg, abgenommen. Sein Bericht, in dem er dem Erbauer bescheinigt „…alles dem Contract gemäß aufs fleißigste verfertiget…“ ist vom 24. November 1716 datiert.

Am 28.11.1716 empfing Gottfried Silbermann die letzte Rate der Bausumme "nach Übergabe des Wercks" in Höhe von 200 Talern und bestätigte dies mit seiner Unterschrift.


Die Restaurierung (Autor: Klaus Zimmermann)

Die fast 300 Jahre des Bestehens der Orgel in der Niederschönaer St.-Annen-Kirche sind nicht spurlos an dem Instrument vorüber gegangen. Wenngleich die Orgel noch einen sehr hohen Prozentsatz an Originalsubstanz aufweist, ist sie durch stete Veränderungen zur Anpassung an den jeweiligen Zeitgeschmack klanglich verändert und mehr als andere Silbermann-Orgeln vom Originalzustand entfernt. Die vorgenommenen Veränderungen, die mit Kürzen und Anlängen von Pfeifen, teilweisem Einsetzen neuer Kerne, Verkleben von Kernstichen usw. einhergingen, haben insbesondere am Pfeifenwerk ihre Spuren hinterlassen. Metallpfeifen (besonders in Cornet und Mixtur) sind teilweise sehr dünnwandig und unstimmbar geworden. Einzelne Pfeifen weisen Deformationen auf.

Seit 1975 wurde die Orgel nicht mehr gereinigt. Infolge von Bauarbeiten in der Kirche und durch von der Decke herabfallende Kalkflocken ist ein Verschmutzungsgrad erreicht, der eine Reinigung des Instrumentes dringend erfordert. Außerdem treten schon länger Durchstecher auf, die den Orgelklang zeitweilig sehr störend beeinflussen. Jahreszeitlich bedingt kommt es im Frühjahr zum Verklemmen von Schleifen, so dass einige Register vorübergehend unbenutzbar sind.
Eine grundlegende Generalüberholung, die fast einer Rekonstruktion gleichkommt, ist somit dringend notwendig.

Anlässlich des Orgeltages der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft am 27. April 2013 in Niederschöna wurde über die anstehenden Probleme mit Kirchenmusikern, Organologen, Sachverständigen und Orgelbauern beraten und eine Restaurierungskonzeption erarbeitet, die die Rückführung der Orgel auf den Zustand von 1754/55 zum Ziel hat. (Eine kompromisslose Rückführung auf den bauzeitlichen Zustand scheidet wegen der 1754/55 erfolgten Umsetzung der Orgel innerhalb des Kirchenraumes aus.)


Nach weniger als acht Monate intensiver Arbeit konnte die Sanierung der Niederschönaer Gottfried-Silbermann-Orgel durch die Mitarbeiter der Restaurierungswerkstatt für Orgeln Kristian Wegscheider, Dresden, im Mai 2016 abgeschlossen werden.
Die Orgel erhielt eine neue Keilbalganlage zur Winderzeugung nach historischem Vorbild. Das Pfeifenwerk wurde aufgearbeitet und dabei die 1959 nicht stilecht erneuerte Cimbel 2fach rekonstruiert. Für die Erhaltung der Windladen waren sehr aufwendige Instandsetzungsarbeiten erforderlich. Die Ton- und Registertraktur wurde ganz im Stil Silbermanns saniert und teilweise rekonstruiert. Das Pedal ist wieder fest an das Manual gekoppelt. Die Orgel erhielt die originale Stimmtonhöhe (Chorton) zurück. Die gewählte Temperierung nach Neidhardt 1724 („Kleine Stadt“) stellt einen Kompromiss dar. Sie lässt noch die Charakteristik der Tonarten erkennen und ermöglicht uneingeschränktes Transponieren.
Das Festkonzert am Pfingstmontag in der voll besetzten Kirche war ein unvergessliches Erlebnis für die Kirchgemeinde (s. Foto von Adolf Mietke-Hofmann). Domorganist Albrecht Koch stellte die restaurierte Orgel in allen Klangfarben vor. Der Abnahmebericht des landeskirchlichen Orgelsachverständigen ist des Lobes voll. Organisten äußern sich immer wieder anerkennend über das erzielte Restaurierungsergebnis.

Im Blick auf das 300jährige Bestehen der Orgel im Herbst diesen Jahres wurde eine Festschrift für dieses Jubiläum erarbeitet, in der u. a. die noch im Pfarrarchiv vorhandenen Dokumente zum Orgelbau 1715/16 vorgestellt werden und ausführlich über die Restaurierungsarbeiten von Kristian Wegscheider berichtet wird. Die Festschrift ist im Pfarramt Niederschöna oder bei der Geschäftsstelle der Gottfried-Silbermann-Gesellschaft in Freiberg erhältlich.
Disposition nach der Restaurierung 2016
erbaut 1716 von Gottfried Silbermann
Restaurierung 2016: Orgelbau Wegscheider, Dresden

Manual C, D - c3 Pedal C, D - c1
Principal 8' Sub Bass 16' (1975 rekonstruiert)
Gedackt 8' Tromp Bass 8' (1992 rekonstruiert)
Qvintadehna 8'
Octava 4'
Rohr Flöthe 4'
Nasat 3'
Octava 2'
Qvinta 1 1/2'
Suff Flöth 1'
Cornett (ab c1) 3fach
Mixtur 3fach
Cimbel 2 fach (2016 rekonstruiert)

Nebenzüge: Tremvlant, Klingel
Stimmtonhöhe: Chorton, 465 Hz für a1 bei 15°C
Temperatur: Neidhardt 1724 („Kleine Stadt“)

Das Manual ist fest an das Pedal gekoppelt.


Die Kirche

Ihren Namen erhielt die Kirche aus Verehrung für die Heilige Anna, die Mutter Marias, die zugleich als Beschützerin der Bergleute gilt. Wann die Kirche gebaut wurde, ist leider nicht bekannt. Um ihren Bau rankt sich die Sage, dass ein Ritter von Mergenthal zum Kreuzzug aufbrach. Falls er gesund heimkehre, wolle er eine Kirche errichten, war sein Gelübde. Geschichtliche Fakten widerlegen diese Theorie.

Eine weitere Sage wird von der so genannten Hundskapelle erzählt. Die geplanten Bauarbeiten scheiterten, weil angeblich die am Tage begonnene Arbeit des Nachts vom Teufel zunichte gemacht worden sei, der die Steine wegrollte. Der Bau wurde gewiss nie vollendet.

Aller Wahrscheinlichkeit nach entstand das erste Kirchengebäude um 1300, nachdem fränkische Siedler Wald gerodet hatten und die Grundlagen für die Errichtung des Waldhufendorfes Niederschöna schufen.
Dass Niederschöna 1346 schon bestanden hat, belegt das „Archidiakonat des Meißner Dompropstes“, in dem „Niederschönau“ erwähnt wurde, das damals kirchlicherseits zu Weylandsdorff (Wilsdruff) gehörte.

Die Reformation wurde in unserer Region nach 1537 eingeführt. Der erste hier nachgewiesene Pfarrer hieß Sylvester Treuteler (1549 bis 1564). Zur Kirchgemeinde Niederschöna gehörte 1588 außer Niederschöna nur Herrndorf, in der Folgezeit kam Hetzdorf hinzu.


Ansprechpartner/Kontakt

Kirchengemeinde Niederschöna
Kirchberg 2
09633 Halsbrücke OT Krummenhennersdorf

E-Mail: kg.Niederschoena_Oberschaar(at)evlks


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (Klaus Zimmermann)
Foto Orgel: Adolf Hofmann (Mietke-Hofmann Orgelbau), Foto Kirche: Christine Zimmermann, Foto Altar: Adolf Hofmann
OI-N-32
weiterführende Links

Webseite Silbermann-Gesellschaft



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