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Die Orgel in St. Bartholomäus Mittelnkirchen

Informationen zur Orgel
Disposition

Geschichte
Glockenturm
Ausstattung


Informationen zur Orgel

Die Orgel ist mit ihren 32 auf Hauptwerk, Brustwerk und Pedal verteilten Registern die größte historische Orgel des Alten Landes (Neuenfelde mit 34 Stimmen gehört jetzt zu Hamburg).

Drei Entwicklungsstufen bestimmen dies außerordentlich wertvolle Werk:

Neben dem ältesten Registerbestand des ausgehenden 16.und beginnenden 17. Jh. erweiterte Arp Schnitger 1688 das ehemals einmanualige Instrument vor allem um ein Brustwerk.

Die endgültige Gestalt gab ihm 1750/53 Johann Matthias Schreiber aus Glückstadt durch die Hinzufügung eines selbständigen Pedalwerkes und einzelner Manualregister. Seitdem hat die Orgel ihren Platz auf der oberen Westempore. Ihr Gehäuse un die originalen Prospektpfeifen stammen ebenfalls von 1750/53.

Letzte Restaurierung 1991/92 durch die Firma Rudolf von Beckerath, Hamburg.


Disposition:

Hauptwerk Brustwerk Pedal
Prinzipal 8' Prinzipal 4' Prinzipal 16'
Quintadena 16' Gedackt 8' Subbaß 16'
Rohrflöte 8' Blockflöte 4' Oktave 8'
Oktave 4' Oktave 2' Oktave 4'
Gedacktflöte 4' Waldflöte 2' Nachthorn 2'
Nasat 3' Quinte 11/3' Rauschpfeife 2 f.
Oktave 2' Sesquialtera 2 f. Mixtur 4 f.
Rauschpfeife 2 f. Scharf 3 f. Posaune 16'
Mixtur 5-6 f. Krummhorn 8' Trompete 8'
Zimbel 3 f. Tremulant Kornett 2'
Trompete 16'
Trompete 8'
Vox humana 8'
Tremulant

Manualkoppel
2 Cimbelsterne


Geschichte

Der alte Name von Mittelnkirchen ist Media Lu (Lu = Lühe), um 1334 Middelsten Luh. Der Name erklärt sich aus der Lage zwischen Lu lapidea - Steinkirchen - und Nova Lu - Neuenkirchen. Holländische Siedler haben dieses Land im 13. Jh. urbar gemacht und besiedelt. Es wurde verwaltet von den Äbten des Kloster Harsefeld. Der Ort wird erstmals 1221 genannt, als Bischof Iso dem Andreasstift in Verden den Zehnten von Lu schenkte.

Die Kirche liegt inmitten eines alten Friedhofes östlich der Lühe auf einer grabenumzogenen Wurt . Die Kirche wird 1322 zum ersten mal erwähnt. Aus Feldsteinen und Holz erbaut wurde sie in der Spätgotik und im Barock-Zeitalter mit Backsteinen ummantelt. Die Kirche ist ein-schiffig mit einem Holz-Innengewölbe. Die Fenster sind spitzbogig, im Ostteil haben sie eine Rundform.


Glockenturm
Der Glockenturm ist quadratisch und holzverschalt. Errichtet 1721, durch einen Orkan 1837 und durch Blitzeinschläge mehrfach zerstört, wurde er nicht mehr in der ursprünglichen Höhe errichtet. Die Turmuhr ist in einem Dachreiter auf das Kirchenschiff gesetzt. Im Turm befinden sich drei Glocken .


Ausstattung

Altar und Kanzel wurden, wie es im 18. Jh. im Alten Land üblich war, zu einem Kanzelaltar zusammengefasst, der bis zu dem " Auge Gottes" hoch aufragt. Er wurde vom Tischlermeister Carl Bülkau 1800/02 gebaut. Die Figuren neben der Kanzel stellen Moses mit zwei Gesetzestafeln und den Evangelisten Johannes mit Buch (Evangelium) und Adler dar.
Auf dem Schalldeckel der Kanzel ist als Bekrönung Christus als Sieger mit Fahne auf der Welt-kugel und der Schlange stehend (Symbol des Bösen) zu sehen; in der Mitte eine dreifigürige Kreuzgruppe, umgeben von vier Engelsköpfen und Strahlen.

Das Altarrelief stammt aus dem alten Altar von 1615 und zeigt Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl an Gründonnerstag.

Das Kruzifix an der Südwand, zeigt Christus aus Eichenholz um 1480. Die Gestalt des Gekreuzigten ist schon die Gestalt des Auferstandenen: die Füße stehen nebeneinander auf einem Sockel, dem Supedaneum, mit einer weltlichen Krone statt einer Dornenkrone geziert.

Die wertvolle Kreuzgruppe an der Südwand aus der Zeit der Spätgotik zeigt Christus aus dem 14. Jh., Maria, die Mutter Jesu und Johannes, den Jünger, den Jesus liebte, aus dem 15. JH.

Die Taufe, der romanische Taufstein aus grob behauenem Granit wurde 1991 von dem polni-schen Künstler Jemzmyk mit einer Ummantelung in Bronze versehen, getragen von den Jüngern Paulus, Johannes und Bartholomäus, dem Namenspatron der Kirche. Die Einfassung trägt das Wort aus dem Römerbrief: Wir sind samt Christus durch die Taufe begraben in den Tod, auf dass wir in einem neuen Leben wandeln.

Die farbenprächtige Prieche an der Südwand zeigt Wappen der damals bekannten Greven des Olenlandes (juristische Aufsichtspersonen im weltlichen Bereich): Johannes Rölef (Rolff) gewesen Greve und Jacob Garn und Henning Garn, Anno 1731. Friedeng Stechmann und Hinrich zum Felde, Anno 1717. Die Schiebefenster sind aus durchbrochenem Schnitzwerk. 1717 wurde das Alte Land von einer schweren Sturmflut heimgesucht, dann ebenso 1962.
Alle Priechen (zimmerähnliche Emporen) sind aus Holz und der Zugang ist von außen, teils in Fachwerkanbauten als Treppenaufgänge. Die Emporen werden von schlanken Eisenstützen mit Kopfbändern getragen - eine Eigentümlichkeit im Alten Land.

Die Bankplätze im Kirchenschiff wurden von Gemeindegliedern gestiftet, ihre Namen bis zum 2. Weltkrieg an den Wänden aufgezeichnet

Westempore
An der Emporenbrüstung befinden sich 19 Pilasterarkaden mit handwerklich hergestellten Bildern aus dem Jahr 1651. Sie zeigen 18 Propheten und in der Mitte Christus als Heiland segnend und mit Weltkugel: darunter Namensbeischriften, links die Jahreszahl 1651.

Das Kirchengestühl aus dem 18 Jh. aus Eichenholz ist ein Kastengestühl .

Die bunten Glasfenster aus dem 20. Jh. im Altarraum zeigen Jesus und den sinkenden Petrus, zum anderen Jesus, der die Kinder segnet.

Jüngstes Gericht (Öl, um 1551)
Darstellung des Jüngsten Gerichts. Das Bildnis zeigt Christus auf dem Regenbogen als Welten-richter. Zu seiner Rechten vollzieht sich der Aufstieg der Erlösten, zu seiner Linken die Verdammnis der Verworfenen. Die Wirkung dieses Bildes diente der Bußübung der Gemeinde in einer Zeit, in der wenige lesen und schreiben konnten.
Es war farblich übermalt für Jahrhunderte hinter der Orgel als Emporenrückwand aufbewahrt und vergessen.

Grabplatten
Die im Eingang der Kirche und unter der Orgelempore aufgestellten aufwändig bearbeiteten Grabplatten stammen aus dem 16. und I8. Jahrhundert. Durch Kreuze wurden die schon verstorben Familienmitglieder bezeichnet.


Mit freundlicher Genehmigung von Hans-Jörg Gemeinholzer
OI-S-63
weiterführende Links

Webseite Ev. Kirche Lühekirchen



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