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Die Orgel in St. Andreas Korschenbroich

Geschichte der Orgeln
Disposition

Der Heilige Andreas ...
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Geschichte der Orgeln von Henning Dembski

Über die ersten Orgeln der Katholischen Pfarrkirche St. Andreas zu Korschenbroich ist wenig bekannt. Erwähnt wird (vgl. Bremer, S. 452f.) lediglich die Entfernung der Orgel aus dem Chorraum der Kirche im Jahre 1645, sowie die Errichtung einer Orgel im Jahre 1783. In den ältesten, im Diözesanarchiv in Aachen erhaltenen Pfarrakten ist seit dem Jahre 1827 kontinuierlich in den Kirchenhaushalten eine Ausgabeposition für einen Organisten, in der Folge (ab 1857) auch für einen Balgtreter vermerkt. 1843 baute der Orgelbauer Rudolf Ibach aus Wuppertal-Barmen ein Instrument mit 26 Registern, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Eine Rechnung aus dem Jahre 1849 vermerkt eine "Orgelrevision", weitere Belege dokumentieren die regelmäßigen jährlichen „Inspektionen“ des Orgelbauers vor Ort.

1890 fiel diese Orgel dem Abbruch der alten Kirche zum Opfer. Für den Bau einer neuen Orgel erhielt im August 1892 gemäß Beschluss des Kirchenvorstandes der Orgelbauer Heinrich Dautzenberg aus Linnich den Zuschlag. Der Preis für diese Orgel betrug 4610 Mark. Im Dezember 1900 reichte Dautzenberg ein Angebot ein für eine dringend notwendige, gründliche Reinigung der Orgel und eine Regulierung ihrer Mechanik.

Ebenso wie die Glocken der St. Andreas-Kirche blieb auch die Orgel nicht verschont von den Beeinträchtigungen des Krieges. Laut Protokoll der Kirchenvorstandssitzung vom 24. Juni 1917 wurden neben den beiden größten Glocken auch 93 Orgelpfeifen beschlagnahmt. Es muss sich dabei um Orgelpfeifen aus Zinn gehandelt haben, denn nur solche konnten - wie die Bronzeglocken - zum Guss von militärischem Gerät verwendet werden.

Am 18. Februar 1929 wurde gemäß der Pfarrchronik von Pfr. Otto mit dem Abbau der Orgel und dem Abbruch der Orgelbühne begonnen. Der Korschenbroicher Bauunter-nehmer Kirchkamp wurde mit dem Bau einer neuen, größeren Orgelbühne beauftragt. Die entsprechenden Pläne dazu stammten von dem Düsseldorfer Architekten Dr. Paul Sültenfuhs. Gleichzeitig wurde der Orgelbauer Johannes Klais aus Bonn mit dem Neubau einer Orgel beauftragt. Diese Orgel, die schon im Juni desselben Jahres feierlich eingeweiht wurde, erhielt einen Freipfeifenprospekt, elektropneumatische Kegelladen, sowie 32 Register, verteilt auf zwei Manuale und Pedal. Die Kosten für diese Orgel betrugen 32060 Mark.

Nur 14 Jahre später, im August 1943, wurde sie bei einem Bombenangriff zusammen mit dem Kirchenschiff vollständig zerstört.
Das erste Instrument der 1949 wiederhergestellten Kirche schuf im Jahre 1953 ebenfalls Johannes Klais aus Bonn. Auch diese Orgel erhielt einen Freipfeifenprospekt und elektropneumatische Kegelladen, jedoch 33 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. 1970 wurde das Instrument durch die Orgelbaufirma Fischer & Krämer aus Endingen mittels gebrauchter Register umdisponiert. Schon drei Jahre später musste die Orgel im Zuge der Kirchenrenovierung ausgelagert werden. Bei dieser Gelegenheit entschied man sich, die bereits verschlissene elektropneumatische Trakturanlage der Manualwerke nicht wieder zu verwenden und beauftragte 1976 die Orgelbaufirma Fischer & Krämer mit dem Umbau der technischen Anlage. Während das Pedal elektropneumatische Trakturen behielt und noch um die Hälfte der alten elektropneumatischen Positivwindlade erweitert wurde, versah man die Manualwerke mit zum Teil gebrauchten mechanischen Windladen bei weiterhin elektropneumatischer Registertraktur. Den not-wendigen neuen mechanisch-elektrischen dreimanualigen Spieltisch erwarb man gebraucht aus Süddeutschland. Positiv und Hauptwerk erhielten ein im Prospekt sichtbares Gehäuse, so dass anstelle des ursprünglichen, nach architektonischen Gesichtspunkten entworfenen Freipfeifenprospekts eine sichtbare Werkgliederung trat. 1977 baute Fischer & Krämer die Orgel unter Hinzufügung weiterer gebrauchter Register in der renovierten St.-Andreas-Kirche auf. Das Instrument besaß zu diesem Zeitpunkt 44 Register, verteilt auf drei Manuale und Pedal. 1984 wurde die Orgel ebenfalls durch Fischer & Krämer um ein Rückpositiv ergänzt. Da das Instrument nun vier Manualwerke besaß, der Spieltisch aber nur dreimanualig angelegt war, erhielt das Rückpositiv eine vollständig elektrische Trakturanlage, die eine Koppelfunktion sowohl an das Haupt- als auch an das Schwellwerk ermöglichte. Bis zum Jahr 1999 erfolgten noch einige kleinere Umbauten, wie der Austausch der Freien Kombinationen durch eine Setzeranlage und der Einbau einiger zunächst vakanter Register.

Im Jahre 2000 erfolgte eine Generalrenovierung und - in gewissem Umfang - ein Umbau der Orgel. Ziel dabei war es, die vorhandene klangliche Substanz zu sichern, die Orgel von Dispositionsfehlern zu bereinigen und geringfügig auszubauen, die technische Anlage im Sinne eines einheitlichen Laden- und Traktursystems zu erneuern, sowie die innere Organisation der Orgel in einen der heutigen Orgelästhetik entsprechen-den Rahmen zu bringen. Nach reiflicher Überlegung wurde die renommierte Orgelbaufirma Romanus Seifert & Sohn aus Kevelaer beauftragt, folgende Arbeiten auszuführen: Neuanfertigung eines viermanualigen Spieltischs, Elektrifizierung der Trakturen, Einbau einer zweiten Schwellwerkslade und eines neuen Schwellwerkgehäuses, farbliche Neugestaltung des Prospekts mit Lackierung der Zinkprospektpfeifen, Dispositionsänderungen, Generalreinigung und Intonation. Aus finanziellen Gründen können einige noch erforderliche Maßnahmen wie der Einbau neuer Schleifladen für das Pedalwerk und die Ergänzung noch vakanter Register erst zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden.

Im Laufe der Zeit hat sich rund um die St.-Andreas-Orgel, die mit ihren heute 55 Registern zu den größten symphonischen Instrumenten des Rheinlands zählt, eine Orgelszene von internationalem Rang etabliert. Neben Konzerten und Meisterkursen findet jährlich die Internationale Orgelwoche und im Zweijahresrhythmus der Internationale Orgelwettbewerb statt. Der von Kantor Franz-Josef Franzen (1927-1997) initiierte "Freundeskreis für Orgelmusik an St. Andreas, Korschenbroich, e. V." bringt jedes Jahr bedeutende Organisten aus aller Welt als Interpreten, Dozenten und Juroren nach Korschenbroich.


Disposition:
Erbauer: 1953 Johannes Klais, Bonn

IV Schwellwerk III Unterwerk II Hauptwerk I Rückpositiv Pedalwerk
Gedeckt 16' Gedeckt 8’ Gedeckt 16’ Konzertflöte 8’ Kontrabass 32’ (vakant)
Geigenprinzipal 8' Viola 8’ Prinzipal 8’ Rohrflöte 4’ Prinzipalbass 16’
Orchesterflöte 8' Prinzipal 4’ Rohrflöte 8’ Quinte 2 2/3' Subbass 16’
Gambe 8' Spitzflöte 4’ Oktave 4’ Piccolo 2’ Quintbass 10 2/3'
Schwebung 8' Oktave 2’ Hohlflöte 4’ Terz 1 3/5’ Oktavbass 8’
Prinzipal 4’ Quintflöte 1 1/3’ Quinte 2 2/3’ Zimbel 3fach 1’ Gedecktbass 8’
Traversflöte 4’ Oktävlein 1’ Superoktave 2’ Krummhorn 8’ Cellobass 8’ (vakant)
Querflöte 2’ Scharff 3fach 2/3' Kornett 4fach 4' Tremulant Choralbass 4’ (vakant)
Kornettquinte 2f 2 2/3' Krummhorn 8’ (vakant) Mixtur 4fach 4' Zimbelstern Kontraposaune 32'
Mixtur 3fach 2' Trompete 8’ Posaune 16’
Klarintrompete 4’ >Horizontaltrompete 8’ Trompete 8’
Klarinette 8’ Tuba 16’ (vakant) Trompete 4’ (vakant)
Oboe 8’
Solotrompete 8’
Fagott 16’
Tremulant

Koppeln:

I/II; III/II; IV/II; Super II; Sub II; Sub III/II; Super IV/II; Sub IV/II; Super IV, Sub IV; I/III; IV/III; Sub III; Sub IV/III; III/I; IV/I; Sub III/I; Sub IV/I; I/P; II/P; III/P; IV/P; Super IV/P

Umbauten & Renovierungen:

1970 / 1977 / 1984 Fischer & Krämer, Endingen
2000 Romanus Seifert & Sohn, Kevelaer
2006 / 2010 Martin Scholz, Mönchengladbach

Manualumfang: 56 Töne
Pedalumfang: 30 Töne

Trakturen: elektronisch (Manualwerke Schleiflade, Pedalwerk Kegellade)

Spielhilfen: 768 Setzerkombinationen;
Setzer-Sequenzer als Fußtritt und manuell für Spieler und Registrant

Äqualabschaltungen der Sub- und Superoktavkoppeln
für HW / SW / General als Fußtritt


Der Heilige Andreas und die Korschenbroicher Apostelpfarre

Nach den Quellen des Neuen Testaments ist Andreas (griech.: der Mannhafte) ein Bruder von Simon, dem späteren Apostel Petrus. Er stammte aus Betsaida in Galiläa und lebte als Fischer in Kafarnaum am See Genezareth.
Nach dem Johannes-Evangelium gehörte Andreas zunächst zu den Johannes-Jüngern, wurde dann aber zu einem der erstberufenen Jünger Jesu. Nach späteren Überlieferungen soll Andreas in Pontos, Bithynien, südlich des Schwarzen Meeres sowie in den Donauländern, in Thrakien und Griechenland missioniert haben. Die Legende aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. überliefert sein Martyrium am 30. November des Jahres 60. Seine Hinrichtung erfolgte an einem Kreuz mit schrägen Balken, das seither Andreaskreuz genannt wird. In den meisten Darstellungen wird der Hl. Andreas mit dem schrägen Kreuz gezeigt. Im übrigen wird das Andreaskreuz auch als Verkehrszeichen an Bahnübergängen verwendet.

Seit wann Korschenbroich als Pfarre dem Hl. Andreas zu geschrieben wird, lNiederrhein häufig anzutreffen waren (z.B.. in Neuss-Norf, Lich-Steinstrass, Setterich, Heinsberg-Eschweiler) und dass der dem Rheinland sehr verbundene Kölner Erzbischof Gero, der 974 n. Chr. die Abtei in Mönchengladbach gründete, im gleichen Jahr die dem Hl. Andreas gewidmete Kirche in Köln konsekrierte. Sowohl die Kölner Kirche als auch die Mönchengladbacher Abtei erhielten in der Folge Arm-Reliquien des Hl. Andreas: Die Kölner Reliquie wurde 1257 von der Hl. Irmgardis von Rom an den Rhein gebracht und dem Kölner Stift geschenkt, den Mönchengladbacher Andreas-Reliquien (Armreliquie und Partikel vom Kreuz) wurde in der Krypta der Münsterkirche ein eigener Andreas-Altar zugeordnet. Von der Mönchengladbacher Reliquie stammt auch die in Korschenbroich verehrte Andreas-Reliquie.

Bremer vermutet einen Zusammenhang zwischen dem Andreastag (dem 30. November) als mittelalterlichem Zinstag für alle zum Kölner Stift St. Gereon gehörenden Güter, zu denen auch auf Korschenbroicher bzw. Millendonker Gebiet einige Anwesen gehörten, u.a. das nahe der Kirche gelegene Gut Sivart, auf dessen Gebiet möglicherweise sogar der erste Kirchbau erfolgte. Allerdings müsse die Andreas-Benennung schon aus der Zeit vor der gereonschen Grundherrschaft bestanden haben, so Bremer, ansonsten sei vermutlich der Hl. Gereon zum Pfarrpatron bestimmt worden. Ein Pfarrsiegel mit dem Bild des Hl. Andreas wurde für die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts nachgewiesen. In späteren Jahrhunderten benutzten auch die Schöffen der Gegend, denen vor allem die Beurkundung von Verträgen oblag, das Siegel mit dem Bild des sitzenden Pfarrpatrons, der links ein Buch und rechts ein kleines Andreaskreuz hält. Im Wappen der Gemeinde Korschenbroich hat das Bild des Heiligen Andreas, das im unteren Teil ergänzt wird durch die Balken aus dem Wappen des Millendonker Herrschergeschlechts derer von Mirlar, zwischen 1950 und l977 - noch einmal politische Verwendung gefunden.

aus dem Buch „St. Andreas Korschenbroich“
mit freundlicher Genehmigung der Autorin: Dr. Rita Mielke

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Ansprechpartner/Kontakt:

Unser Pfarrbüro erreichen Sie wie folgt:
St. Andreas Korschenbroich
Kirchplatz 3
41352 Korschenbroich

Telefon: 02161/ 64 10 13
Telefax: 02161/ 61 17 4

E-Mail: pfarramt.korschenbroich(at)gdg-korschenbroich.de


Texte und Fotos mit freundlicher Genehmigung des Orgelfreundeskreises (Olaf D. Hennig) und der Kirchengemeinde
Fotos: Olaf D. Hennig
OI-K-4
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Webseite Gemeinschaft der Gemeinden Korschenbroich
Webseite Orgelfreundeskreis Korschenbroich



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