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Die Orgel in der Ev.-luth. Kirche zu Escherode

Die frühere Orgel
Warum eine Orgel?
Wie soll die neue Orgel aussehen?
Die neue Orgel
Disposition
Konzeption


Die frühere Orgel in der Kirche zu Escherode

1777 baute der Orgelbaumeister Johann-Wilhelm Schmerbach der Ältere laut Contract (Vertrag) vom 24.11.1775 in der Escheroder Kirche eine Orgel. Der Preis betrug laut Vertrag dreihundertundfünfzehn Thaler in Hessen Courant Münze. In DM wären es über 100.000 DM. Johann-Wilhelm Schmerbach war das älteste Orgelbauermitglied einer angesehenen Orgelbauerdynastie, die ihren Sitz in Frieda bei Eschwege hatte. Die Tradition der Werkstatt wurde vom Sohn und Enkel fortgesetzt. Johann-Wilhelm Schmerbach der Mittlere - geboren 1765 in Frieda, gestorben 1831 beim Orgelbau in Kirchkandern/Eichsfeld -hatte bereits 1804 einen guten Ruf. 1825, als in Kurhessen Kreisorgelbauer offiziell eingeteilt wurden, fielen ihm die Kreise Hofgeismar und Wolfhägen zu, doch baute er gleichwohl viel im Kreis Eschwege. Johann Wilhelm der Jüngere, 1795 - 1872, wurde in Nachfolge seines Vaters 1832 Kreisorgelbauer für Hofgeismar und Wolfhagen. Die Zahl der Orgeln ist zu groß, als daß sie hier alle genannt werden könnten. In der näheren Umgebung sind es ca. 13, die von den drei Orgelbaumeistern gebaut wurden.

Um die Orgel 1777 aufstellen zu können, hat man eine zweite Empore eingebaut, die in der Mitte auf einem hohen Gabelständer ruht. Das vordere Stück der unteren Empore auf der Südseite wurde damals abgebaut, um mehr Licht in die Kirche zu bringen und das Material für die Orgelempore mitverwendet. Man konnte das bei der letzten Kirchensanierung feststellen. Aus welchen Gründen auch immer, es ist nicht aktenkundig, wurde 1913 die Orgel bis auf den oberen Barockprospekt völlig erneuert.

Die Orgelbaufirma Furtwängler und Hammer aus Hannover baute ein pneumatisches Werk mit 16 Registern, in ein einfaches Gehäuse, welches bis an die Westgiebelwand anschloß, aber keine Dächer besaß.

Leider haben sich pneumatische Werke nicht bewährt und werden heute auch nicht mehr gebaut. Nach 13 Jahren traten schon die ersten Mängel auf. 1926 mußte Pastor Reinecke einen Fragebogen ausfüllen über die augenblickliche Beschaffenheit der Orgel. Unter Punkt 5 schrieb er: "nicht gut."

1951 beschwerte sich unser damaliger Lehrer und Organist Willy Müller über gravierende Schäden, 1956 wurde dann eine Reparatur durchgeführt. Alles Reparieren brachte aber nicht den erwünschten Erfolg. Das pneumatische Werk ist wartungsintensiv, das heißt, es ist alles auf engsten Raum untergebracht, außerdem waren die vielen Bleirohre und Lederbälgchen altersbedingt brüchig geworden. Auch hatte der Holzwurm nicht davor zurückgeschreckt, alles zu durchfressen, vom Fußboden angefangen über Windladen, Pfeifenstöcke, Relaisleisten und Ledermembranen.1969 schrieb der Orgelrevisor Kantor Hans Jendis: "Nun hat die Orgel noch 24 Jahre, mehr schlecht als recht, durch immer wiedergegebene Reparaturspritzen gehalten." Orgelrevisor Heinz Hohnstädt schrieb am 11.12.1992: "Diese Orgel ist konstruktionsbedingt eine Zeitbombe; der endgültige Exitus ist zu erwarten, ein verlässliches Spiel ist nicht mehr möglich."

Vom 28.12. - 31.12.1993 haben die Kirchenvorsteher von Escherode die Orgel abgebaut. Noch verwendbares Material (Pfeifen und die Barockprospektfront) wurden zur Wiederverwendung eingelagert. Wegen der Kirchensanierung musste die Orgel ohnehin abgebaut werden, und wir erhielten für den kostenlosen Abbau, vom Amt für Bau und Kunstpflege Hannover 2.250,-DM für den Orgelneubau.


Warum brauchen wir wieder eine Orgel?

Auf vielfältige Weise vermag der Mensch sich auszudrücken und mitzuteilen. Sprache, Symbole, Gesten usw. sind verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen. Die Kunst, und hier im speziellen die Musik, ist eine herausragende Form des Menschen, sich auszudrücken und mitzuteilen. Ein Leben ohne Musik ist nicht denkbar. In allen Kulturen der Welt ist die Musik beheimatet. Sie vermag Dinge zum Ausdruck zu bringen, für die die menschliche Sprache allein nicht ausreicht. Die Musik vermag all das mitzuteilen, was im Menschen vorgeht, und wozu Worte nicht mehr taugen: Trauer, Ängste, Hoffnungen, Freude, Dank, Liebe usw. So hat die Musik gerade in der Religion ihre herausragende Stellung. Was der Mensch vor Gott zum Ausdruck bringen möchte, vermag er nicht immer durch Worte zu sagen. Die Musik aber kann die innersten Gefühle des Menschen ansprechend vor Gott tragen. Die heilige Schrift ist ein großes Zeugnis für den Stellenwert der Musik vor Gott: "Stimmt dem Herrn ein Danklied an, spielt unserem Gott auf der Harfe" (Psalm 147). Unzählig viele solcher Beispiele ließen sich anführen. "Singt Gott mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern", schreibt der Apostel Paulus an die Christen in Kolossa.
Von daher ist ein Musikinstrument, hier die Orgel, immer weit mehr als nur ein Mittel zur Begleitung der Gemeinde oder musikalischer Unterstützung von Gesängen die sonst zusammenbrechen würden. Ihre Klänge tragen die Trauer, die Ängste, die Zweifel, aber auch Hoffnungen, Freuden, Dank und Lob der Menschen vor Gott, weil die Sprache des Menschen hierfür nicht ausreicht. Von daher ist es nicht richtig, bei der Auswahl der Orgel nur den Gesichtspunkt "Die (elektronische) tut's ja auch" zu beachten, nein, die Orgel ist "Königin der Instrumente", nicht nur wegen ihrer fast unerschöpflichen Klangfülle, sondern auch wegen ihrer Stellung im Gottesdienst: Vor Gott all das zu tragen, wozu die Sprache nicht ausreicht. Und einer "Königin" sollte man auch anhören und ansehen, daß sie eine "Königin" ist.


Wie soll die neue Orgel aussehen?

Der vorhandene und unter Denkmalschutz stehende Barockprospekt (das Antlitz der Orgel) mit seinen schön geschnitzten "Ohren", die ebenso wie das Schleierwerk mit Engelsköpfen verziert sind, und den Trompetenblasenden Engelfiguren über den kleinen Flachfeldern wird für den Orgelneubau (Rekonstruktion) wieder verwendet. Also wie eine Königin.

Der Registeraufbau (Disposition) des neuen Orgelwerks wird der Disposition des Orgelbauers Wilhelm Schmerbach von 1777 nachgebaut. 12 Register, verteilt auf l Manualwerk und l Pedalwerk. Die Orgel wird ca 774 Pfeifen besitzen.

Das Orgelgehäuse wird als geschlossenes Schrankgehäuse in Massivbauweise (Rahmen : und Füllung) dem vorhandenen Barockprospekt angepaßt. Für die Herstellung des Gehäuses sowie die Restaurierung des Barockprospektes haben sich, die Kirchenvorsteher Erwin und Fielmut Käse bereit erklärt. Wenn wir eines Tages unsere neue Orgel haben, können wir davon ausgehen, daß sie bei guter Pflege und Wartung die nächsten Generationen überdauert. Bitte tragen auch Sie dazu bei, daß unserer Gemeinde diese Kulturgut erhalten bleibt. Danke!


Die neue Orgel

Am 04.05.1996 wurde die von der Forstgenossenschaft Escherode gespendete 27 m lange Fichte, vom Kirchenvorstand abgelängt, verladen und in das Sägewerk Weidemann gebracht, Am 11.05.1996 haben Helmut Käse, Erwin Käse und Rüdiger Weidemann die Fichte zu Brettern geschnitten.

Die Kosten für das Sägegatter und seine Mithilfe hat uns Rüdiger Weidemann als Spende erlassen. Wir haben dann die Bretter mit dem Traktor nach Escherode gebracht, entrindet und züm Trocknen aufgestapelt.

Am 21.08.1999 wurde mit den Arbeiten an der Orgel begonnen. In der Orgelbaufirma Werner Bosch in Sandershausen wurden Windladen. Pfeifen. Weilenbretter, Fraktur und Mechanikteile hergestellt. Erwin und Heimut Käse begannen mit den Eigenleistungen für das Gehäuse.

Das gesamte Gehäuse der Orgel ist aus bestem Fichtenholz neu erstellt, auch der noch vorhandene obere Prospektteil der alten Orgel. Bei genauerer Begutachtung hat sich gezeigt, daß die Teile doch sehr verwurmt waren, das Teile fehlten, andere von Würmern zerfressen oder voller Nägel waren und nicht mehr wiederverwandt werden konnten.

Das historische, filigran gearbeitete Zier- und Schleierwerk wurde holztechnisch überarbeitet.

Am 29. Mai 2000 war es dann soweit. Es wurde mit dem Aufbau der Orgel in der Kirche Escherode begonnen. Der technische Aufbau dauerte 10 Tage. Die Bemalung erfolgte im Juli 2000 und wurde von Frau Meier und Frau Kambert von der Firma Lechte (Werkstatt für Bau- und Denkmalspflege und Restaurierung) aus Göttingen ausgeführt.

Der Orgelbauer und Intonateur Bernd Kühnel sorgte unter Mithilfe eines Orgelbaulehrlings für die Klanggebung der Orgel im Kirchenraum. Die Intonation beanspruchte die Zeit von 4 Wochen.

Jetzt können wir wieder singen, und die Orgel begleitet unseren Gesang, sie trägt unsere Stimme zusammen und erfüllt mit ihrem Klang den Raum unserer schönen Kirche. Äußerlich hat sich unsere Orgel eigentlich kaum verändert, von unten gesehen sah sie genau so aus wie jetzt. Nur rechts war der Verschlag zu sehen, hinter dem sich das Gebläse und der Balg befand. Steht man aber oben bei der Orgel sieht man, dass die Orgel an Stelle der alten einfachen Verbreiterung, die bis zur Westwand anschloss, jetzt ein schönes Gehäuse passend zur oberen Prospektfront hat. Auch kann man jetzt hinter der Orgel zur anderen Seite der Empore gehen. Die eigentlichen Veränderungen haben sich innerlich abgespielt wie bei vielen Dingen sind sie einem ersten flüchtigem Blick verborgen. Aber sie sind zu hören, sobald der Organist das Instrument zum Leben erweckt.


Disposition der neuen Orgel in der Kirche zu Escherode

Hauptmanual
(I) C, Cis - f"

Nebenmanual
(II) C, Cis - f'"

Pedal
C, Cis - d'

Oktave 8'
(C-B gedeckt, ab H offen)
Hohlflöte 8'
(C - H gedeckt, ab c° offen)
Subbaß 16'
Gedackt 8' Gemshorn 4' Octavbaß 8'
Prinzipal 4' Waldflöte 2' Trompete 8'
Gedackt 4'
Sesquialtera II 3'
Octave 2'
Mixtur III-IV 1 1/3'
Zimbelstern

Tremulant auf das ganze Werk
Manualkoppel II - I
Pdalkoppeln I - Ped./II - Ped

Windanlage: Mehrfaltenbalg
Stimmtonhöhe: a-440 Hz bei 18°C
Stimmunnigsart: leicht ungleichstufig
Art und Anzahl der Pfeifen: 547 Metall-Pfeifen (davon 47 im Prospekt) und 227 Holzpfeifen

Zur Konzeption der neuen Orgel

Die neue Orgel der ev.-luth. Kirche zu Escherode weist schon durch ihr Äußeres auf die klangliche Gestaltung und technische Konzeption hin. Im Jahre l775 hatte dort Johann Wilhelm Schmerbach ein neues Instrument erbaut von welchem zumindest teilweise der Prospekt erhalten ist. Die neue Disposition richtet sich annähernd nach dem historischen Vorbild, verteilt den Registerbestand allerdings auf zwei Manuale und Pedal. Somit ist dem Organisten eine Vielzahl registertechnischer Möglichkeiten an die Hand gegeben. Das Klangbild der frühen Schmerbach-Orgeln orientiert sich am thüringisch-hessischen Barock. Auf der neuen Orgel werden Kompositionen aus Barock und Frühromantik in idealer Weise erklingen können.

Das Hauptmanual enthält mit Octave 8 Fuß, Principal 4 Fuß, Sesquialtera II. Octave 2 Fuß und Mixtur einen vollständigen Prinzipalchor, der durch Subbaß 16 Fuß und Octavbaß 8 Fuß in der Kontrabaß- bzw. Baßlage fundamentiert.

Das Nebenmanual ist ein „Flötenclavier“, wobei dem Gemshorn 4 Fuß eine Mittlerrolle zwischen Prinzipal, Flöte und Streicher zukommt.

Der Flötenchor ist mit Gedackt 8 und 4 Fuß, der Hohlflöte. dem Gemshorn, der Waldflöte und dem Subbaß reich besetzt. Als strahlende Solostimme ist die Sesquialtera in vielfältiger Mischung bis hin zum Cornett-KIang (8 Fuß, 4 Fuß, 2 Fuß und Sesquialtera) zu verwenden. Die Familie der streichenden Stimmen findet sich stellvertretend im Gemshorn 4 Fuß und in dem mit Violon-Charakter intonierten Octavbaß 8 Fuß wieder. Sollte es eines Tages noch gelingen, die z Zt. vakante Trompete 8 Fuß einzubauen, wäre das Organistenglück vollkommen, da mit ihr die Gravität und Majestät des Orgelklanges erst zum vollen Durchbruch gelangt.

Die Stimmungsart ist so gewählt, daß die Tonarten mit weniger Vorzeichen besser als sonst, die mit vielen Vorzeichen weniger gut als normalerweise klingen. Diese Art der Einstimmung gestaltet den Tonartenwechsel lebendiger als gewöhnlich.

Mögen die Gemeinde und die Organisten allezeit Freude beim Hören und Spielen dieses prächtigen kleinen Instrumentes haben, zur Ehre Gottes, zu ihrer eigenen Erbauung und auch zum Trost.

Das Grußwort des Orgelrevisors in der Hannoverschen Landeskirche und Kreiskantor in Herzberg am Harz Hans-Ulrich Funk


Mit freundlicher Genehmigung der Kirchengemeinde (Herrn Brandes)
(Bilder und Texte von Erwin Käse)
OI-E-7
weiterführende Links

Webseite Kirchengemeinde Escherode



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